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Ein Gipfeltreffen von Literatur und elektronischer Klangavantgarde ereignete sich am zweiten Elevate-Abend im Keller des Grazer Forum Stadtpark: Das Duo Rdeča Raketa und die Autorin Natascha Gangl gaben unter dem Titel „Superandome“ auch zu lesen als „super random me“ (etwa: das völlig beliebige Ich) – ein Hörspiel zu Gangls Prosa-Debüt „Wendy fährt nach Mexiko“. Ähnlich düster wie im Text ging es im Soundtrack von Maja Osojnik (Stimme, Samples) und Matija Schellander (Synthesier, Computer) zu.

Elevate Festivalnotizen / Kronen Zeitung am 04.03.2017.

Den Auftakt bildete die Premiere des von Natascha Gangl und dem Kollektiv Rdeča Raketa entwickelten Hörstücks „Superandome“. In der Adaption ihres Prosa-Debüts „Wendy fährt nach Mexiko“ beschwört Gangl albtraumhafte Szenarien lebender Toter, welche durch die Intervention von Wendy (ja, die mit den Pferden) besiegt werden kann. In dem allegorisch-abstrakten Text emotionaler wie sozialer Eskalation verwoben sind verstörende Sprachbilder und eine schaurig-schöne Poesie des Grauens. Den Soundtrack bildeten elektrische Effekte, Live-Samples und verzerrter Gesang. Anhaltender Applaus, als nach akustischem wie visuellem Fade to Black die Performance endete.

Daniel Mähr/ „Und im Dunklen sieht man doch“ / Kleine Zeitung am 04.03.2017

 

Immer bin ich ein Rennreiter und habe es nicht eilig. Natascha Gangls Wendy fährt nach Mexiko lesend  (….) Ganz am Anfang des Buchs hat es geheißen: „Los derechos de los ninos. Los ninos tienen derecho a la vida.“ So wenig Spanisch verstehe und lese ich, um sagen zu können, daß ninos Kinder sind. Die Toten haben ein Recht auf Spiel. Der Satz von den Kindern ist übersetzt worden in den Satz von den Toten. Und das heißt? Heißt das umgekehrt, daß die Toten übersetzt sind und wieder verwandelt werden können in die Kinder, verwandelt werden können in den Anfang, das Vergangene gehen kann und wieder werden?
(Peter Waterhouse, Manuskripte, 213/2016.)

Natascha Gangl: Wendy fährt nach Mexiko.  (…) Gangls Text gerät nie in Verdacht, etwas wie autobiographische Authentizität inszenieren zu wollen, selbst wenn die Autorin, die laut Klappentext „seit zehn Jahren zwischen Österreich und Mexiko“ lebt, aus persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen geschöpft haben sollte. „Wendy fährt nach Mexiko“ ist somit eine höchstgradig subjektive Anverwandlung, Aneignung und gleichzeitig mittels individueller Formsprache erfolgende Umwandlung und Neuschöpfung von Welt. Man könnte auch einfach sagen: Gute Literatur. Und wie immer bei guter Literatur liegt gerade in der höchsten künstlerischen Subjektivität stets das alle Mitmeinende, alle Mitbetreffende, wird das kollektiv Gültige im scheinbar Singulären offenkundig (…)
(Gerald Lind, literaturhaus.at, 30. November 2015)